Europäisches Forum am Rhein: jetzt geht's nach oben!

Jetzt geht's nach oben!

So schön hat sich das Schmatzen einer Betonpumpe selten angehört. Nach zehn Jahren Planung laufen nun die Bauarbeiten für das Forum am Rhein auf vollen Touren! Die Pläne für die Fertigstellung sind ambitioniert

Endlich gibt es hier was zum Anfassen und Anschauen! Zehn Jahre lang ist das Tor zur Ortenau nur auf dem Papier gewachsen, wurde geändert, vergrößert, geschrumpft – es wurde verhandelt geplant und gerungen … heute recken sich endlich die ersten Wände und Betonsäulen in Richtung Himmel. Aus einer Vision wird Wirklichkeit. Das tut gut! „Zeit zum Zurücklehnen haben wir jetzt aber nicht mehr – ganz im Gegenteil“, sagt Nicolay Kolev, der das Projekt als Architekt betreut. „Wir haben uns einen ehrgeizigen Zeitplan auferlegt, den wir unbedingt einhalten wollen. Seit die Baugenehmigung vorliegt, geht es rund!“ Angepeilter Termin für die große Eröffnungsfeier ist der 14. September 2019. An diesem Tag soll im Forum der Badische Architekturpreis verliehen werden.

Doch: Das Grundstück ist nicht ohne. Insgesamt 600 Rüttelstopfsäulen mussten zu Baubeginn im September 2017 eingebracht werden, um den Untergrund so zu verbessen, dass er das Forum am Rhein in Zukunft auch tragen kann. Logistisch kompliziert: Das Grundstück ist von Straßen oder Wegen umgeben, die nicht genutzt werden dürfen. „Viel Platz haben wir nicht“, sagt Kolev. „Gerade die Bundesstraße nach Frankreich, aber auch der kleine Fuß- und Rettungsweg musste mit Spundwänden gesichert werden. Aufwendig aber unumgänglich.“ Hinzu kommt die Planung als solche: Das Grundstück wird im Grunde beinahe komplett bebaut.

Platz, um Baumaterialien zu lagern? Fehlanzeige. Schließlich sind die angrenzenden Parkplätze weiterhin ein beliebter Ausgangsort für Wanderungen und auch die Zufahrt zum Yachtclub darf natürlich nicht versperrt werden. Platz ist in der kleinsten Hütte? Ganz nach diesem Motto werden viele Materialien einfach auf der Baustelle gelagert. Wo gerade ein Abschnitt fertig ist, können erstmal Bewehrungseisen, Stützen oder Schalplatten abgelegt werden. Trotzdem erfordert das Disziplin und eine sehr ausgefeilte Koordination, denn natürlich muss das Material schnell wieder verschwinden, damit weitergebaut werden kann. „Wenn wir mit dem Kellergeschoss fertig sind, wird es ein bisschen besser“, sagt Kolev. „Dann können wir die Spundwände abbauen und die Baugrube rundum schließen. Das ergibt schon ein bisschen mehr Platz.“ Um Zeit zu sparen, wird auch dieses Gebäude in mehreren Stufen gebaut: Während auf der einen Seite die Baugrube noch nicht fertig ausgehoben ist, werden an anderer Stelle schon Wände und Säulen hochgezogen. So können verschiedene Facharbeiter an unterschiedlichen Dingen arbeiten. Das spart mindestens einen Monat Zeit.

So gut wie fertig sind die hauseigene Kläranlage und der hauseigene Brunnen. „Ursprünglich war dieses Gelände kein Baugebiet, hier gibt es weder Zu- noch Abwasser. Darum müssen wir uns kümmern.“ Kleine Anekdote am Rande: Wegen des aktuellen Baubooms ist es nicht nur schwierig, Fachfirmen zu finden, auch bei den Materialien kann es zu Lieferengpässen kommen. So standen die Arbeiten für die gesamte Ab- und Zuwasserversorgung eine Weile lang still, weil einfache Rohre schlicht nicht geliefert werden konnten. „Dann kommt eins zum anderen: So lange die Rohre nicht da sind, kann die Bodenplatte in diesem Bereich nicht gegossen werden, bevor die Bodenplatte nicht fertig ist können wir die Wände nicht schalen und so geht das immer weiter“, erzählt Nicolay Kolev. „Aus der Ruhe bringt uns das nicht, aber es kostet eben Zeit, die wir hinterher wieder aufholen müssen.“ Mittlerweile sind die Rohre da und die dort verlorene Zeit ist schon beinahe wieder eingeholt.

An anderer Stelle geht es dafür zügiger voran. Einige Räume im Souterrain sind schon gut zu erkennen. Die Schächte für die Aufzüge sind angelegt und neben dem Raum für die Abwasserbehandlung erkennt man schon deutlich die Schächte für die Doppelparkdecks. „Eine tolle, platzsparende Lösung, mit der wir zusätzliche Stellplätze schaffen können“, sagt Kolev. Überhaupt ist das Parkplatzsystem ziemlich ausgetüftelt. „Da das Gelände leicht abfällt, konnten wir uns eine aufwendige Rampe sparen. Die Zufahrt auf das gut frequentierte Gästeparkdeck befindet sich direkt oben an der Straße. Das untere Parkdeck erreichen Mieter und Angestellte über den kleinen Weg auf der gegenüberliegenden Seite.“

In den nächsten Monaten wird es auf der Baustelle kurz vor der Pierre-Pflimlin-Brücke viel zu sehen geben. Es geht jetzt schnell voran. Ende Oktober soll der Rohbau fertig sein, dann geht es innen weiter. Das wird spannend, denn dieses Projekt ist nicht nur durch seinen Standort ein europäisches Projekt. Auch die beteiligten Baufirmen kommen von überall her. „Die Rohbaufirma zum Beispiel stammt aus Bulgarien, ebenso die gesamte Heizungs- und Klimatechnik“, sagt Kolev. Er selber hat bulgarische Wurzeln. Auch wenn der Polier fließend deutsch spricht, ist die landsmannschaftliche Verbundenheit nützlich. Ab Herbst kommen die Fensterbauer. Große Teile der Fassade werden verglast – mit dieser Arbeit von Freyler bekommt das Gebäude also sein charakteristisches Gesicht. Jürgen Grossmann freut sich unterdessen über die warmherzigen Reaktionen aus Frankreich, die ihn zu dem Projekt erreichen: „Ich habe das Gefühl, dass in Frankreich gerade von offizieller Seite ein sehr viel größeres Interesse an deutsch-französischen Projekten besteht als bei uns. Die Begeisterung, mit der die Menschen auf das Forum am Rhein reagieren, freut mich sehr, und es bestätigt mich natürlich, dass sich die Energie, die wir in das Projekt stecken, auch lohnt.“