Gilbert Stimpflin: „Es wird alles besser als früher!“ Politik, Verwaltung und Wirtschaft feiern auf der Dachterrasse des Eruopäischen Forums am Rhein die Grenzöffnung als positives Signal

Neuried (red/ut). Seit Montag sind die Grenzen zwischen Frankreich und Deutschland wieder geöffnet. Im Europäischen Forum am Rhein ist das von Entscheidern aus der Politik, der Verwaltung, der Wirtschaft und der Medien mit einem Festakt unter dem Motto UneRegion gefeiert worden, zu dem Hausherr Jürgen Grossmann geladen hatte. Die Veranstaltung mit Meinungs- und Erfahrungsaustausch soll ein erster Schritt auf dem Weg zu einem regionalen Feiertag und einem großen Fest rund um das Forum am Rhein sein. „Wir werden den 15. Juni auch in den nächsten Jahren feiern“, so Grossmann. „Und dann auch gern mit einer richtigen Party!“

Grossmanns Gästeliste war aber auch bei der Premiere schon beachtlich. Gekommen waren die Unternehmer Wolfgang Grenke, Michael Mack und Helmut Hilzinger, der Landtagsabgeordnete Volker Schebesta, WRO-Geschäftsführer Dominik Fehringer, Polizei-Präsident Reinhard Renter, Guido Schumacher und Edzard Schoppmann vom Eurodistrict Theaters Baden-Alsace und 40 weitere Persönlichkeiten.

In den vergangenen Wochen wähnte sich Grossmann mit seinem Forum am Rhein in einem Niemandsland. „Die Grenzkontrollen und damit die gefühlte deutsche Außengrenze ist in Richtung Bundesstraße versetzt worden, die französische ebenso – und wir waren plötzlich nicht mehr im Herzen Europas sondern von aller Welt abgeschnitten.“ Das Europäische Forum am Rhein – gedacht als Zentrum für Kunst und Kultur, als Treffpunkt von Ortenauern und Elsässern war gespenstisch leer.
„Für mich war das eine schwere Zeit – vor allem wie es eben nicht mehr möglich war, andere Menschen zu treffen und soziale Kontakte zu pflegen“, sagte Grossmann im Gespräch mit Moderator Markus Knoll.

Landrat Frank Scherer brachte 35 Jahre nach Schengen auf den Punkt, was viele dachten: „Jetzt hat auch der letzte Mohikaner verstanden, wie wichtig Europa ist.“ Durch die Schließung der Grenzen – „ohne uns zu fragen“ – sei aber auch klargeworden, wie wichtig eine regionale Identität sei und ein durch feste Strukturen gestärkter Eurodistriktrat. Scherer erinnerte vor allem an die Belastungen für Ärzte und Schwestern in den Kliniken des Ortenaukreises, die im Elsass wohnen und täglich pendeln. „Anderthalb Stunden für die Hinfahrt, anderthalb Stunden für die Rückfahrt und dann durften diese Menschen auf dem Weg nach Hause nicht einmal mehr einkaufen – das ist nicht nachvollziehbar."

Gilbert Stimpflin, Präsident der französischen Industrie- und Handelskammer CCI, beschrieb die Corona-Wochen in Frankreich, äußerte seine Bewunderung dafür, dass in Deutschland weitergearbeitet wurde und gab sich trotz aller Probleme optimistisch: „Wir haben das Licht ausgemacht. Jetzt machen wir es wieder an. Und ich glaube: Es wird besser als früher!“

Horst Sahrbacher von der Agentur für Arbeit fasste die Folgen von Corona in markanten Zahlen zusammen und berichtete von den vielen tausend Gesprächen, die gerade im Beriech Arbeitgeberservice zu führen waren: „Wir haben 30 Prozent mehr Arbeitslose, es gibt 40 Prozent weniger offene Stellen und es sind noch immer 67.000 Beschäftigt in Kurzarbeit.“ Dennoch aber gebe es auch am Arbeitsmarkt wieder gute Nachrichten. „Wir werden auch in diesem Jahr im Ortenaukreis mehr Lehrstellen als Bewerber haben, denn nur 5 Prozent der Ausbildungsbetriebe werden ihre Ausbildungsarbeit auf Eis legen.“

Auch Severin Armbruster-Oberdorfer, der mit seiner Frau Jutta die Armbruster Bäckereien leitet und im Elsass im großen Stil Teiglinge und Brezeln produziert, ist von der Corona Pandemie schwer getroffen worden. „Die Krise hat uns schwer getroffen. Der Bereich Airline-Catering liegt völlig am Boden und auch als Zulieferer für die Gastronomie haben wir erhebliche Einbußen erlitten – und das, obwohl wir als Nahrungsmittelhersteller systemrelevant sind.

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